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Rheinland-Pfälzische Sparkassen im ersten Halbjahr 2026: Kreditnachfrage unter Druck – Wertpapiergeschäft und Einlagen stabil
Rheinland-Pfalz und Deutschland könnten in Bewegung kommen. Der neue rheinland-pfälzische Koalitionsvertrag zwischen CDU und SPD setzt mit Blick auf Wohnungsbau, kommunale Finanzausstattung und wirtschaftliche Entlastung wichtige Zeichen – Themen, für die der Sparkassenverband Rheinland-Pfalz (SVRP) seit Jahren eingetreten ist. Auch auf Bundesebene gibt es Bewegung: Das jüngst vorgestellte Reformpaket der Bundesregierung enthält aus Sicht des SVRP notwendige Schritte: beim Bürokratieabbau, bei der Rentenreform und bei der Entlastung kleiner und mittlerer Einkommen.
Zugleich bleibt der Aufschwung fragil: Ein erheblicher Anteil des erwarteten Wachstums kommt aus staatlichen Sonderausgaben, und damit aus einer Sonderkonjunktur, die strukturelle Probleme nicht löst.
Mit dieser Situationsbeschreibung von Sparkassen-Präsident Thomas Hirsch legt der Sparkassenverband Rheinland-Pfalz die zusammengefassten Geschäftszahlen der 20 rheinland-pfälzischen Sparkassen für das erste Halbjahr 2026 vor.
Kreditgeschäft: Investitionszurückhaltung hinterlässt Spuren
Das Darlehensneugeschäft der rheinland-pfälzischen Sparkassen lag zum 30. Juni 2026 bei 3,9 Milliarden Euro und damit 546 Millionen Euro unter dem Vorjahreswert (‑12,3 Prozent). Der Kreditbestand entwickelte sich aber dennoch stabil und stieg seit Jahresbeginn um 231 Millionen Euro (+0,4 Prozent).
Im Unternehmenskundensegment gingen die Neuzusagen um 12 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro zurück. Im Privatkundengeschäft lag das Neuvolumen bei knapp 1,8 Milliarden Euro (-8,6 Prozent), die private Wohnungsbaufinanzierung als größtes Segment erreichte 1,5 Milliarden Euro (-145 Millionen Euro bzw. -8,6 Prozent).
Die Entwicklung entspricht dem gesamtwirtschaftlichen Bild. Die geopolitischen Unsicherheiten und die gesamtwirtschaftliche Entwicklung in Deutschland mit steigenden Unternehmensinsolvenzen – in Rheinland-Pfalz stieg die Zahl der Insolvenzen 2025 um 16,4 Prozent auf 1.002 Fälle – dämpfen die Nachfrage nach Investitionskrediten. Dies betrifft insbesondere längerfristige Kreditengagements. Zusätzlich belasten anhaltend hohe Energiekosten und Lieferengpässe insbesondere die Bauwirtschaft.
Thomas Hirsch, Präsident des Sparkassenverbands Rheinland-Pfalz, ordnet ein: „Wir erleben gerade einen möglichen politischen Aufbruch – in Mainz und in Berlin. Der Koalitionsvertrag in Rheinland-Pfalz greift wichtige Themen auf, die unsere Sparkassen täglich beschäftigen: Wohnungsbau, Kommunalfinanzen, Fördervereinfachung. Auf Bundesebene gehen Bürokratieabbau und Steuerentlastung in die richtige Richtung. Aber es muss noch mehr passieren, denn die schwachen Konjunkturzahlen sind kein Sparkassenthema, sie sind ein Konjunkturbild. Wer nicht investiert, fragt keine Kredite nach. Und wer sich um seine wirtschaftliche Perspektive sorgt, verschiebt größere Vorhaben – vom Unternehmensinvestment bis zum Hausbau. Das sehen wir täglich in unseren Instituten. Unsere Sparkassen begleiten ihre Kunden mit umfangreichen Beratungsangeboten durch dieses schwierige Umfeld.“
Einlagengeschäft: Sicherheit bleibt gefragt
Die Einlagen der Sparkassenkundinnen und -kunden lagen zum 30. Juni 2026 bei 57,5 Milliarden Euro. Gegenüber dem Vorjahreszeitpunkt entspricht dies einem Zuwachs von 1,1 Milliarden Euro (+1,9 Prozent). Seit Jahresbeginn gingen die Bestände leicht um 801 Millionen Euro (-1,4 Prozent) zurück, vor allem aufgrund saisonaler Effekte und Umschichtungen in Wertpapiere.
„Das Einlagenvolumen zeigt: Das Vertrauen der Menschen in ihre Sparkasse ist ungebrochen. Gerade in einem unsicheren Umfeld bleiben täglich fällige Einlagen ein wichtiger Sicherheitsanker. Gleichzeitig sehen wir, dass Kundinnen und Kunden verstärkt auf langfristige Anlageformen setzen“, sagt Alexander Schaubeck, stellvertretender Geschäftsführer des Sparkassenverbands Rheinland-Pfalz.
Wertpapiergeschäft: Fonds auf Wachstumskurs – S-Neo als nächster Schritt
Die Wertpapierumsätze der rheinland-pfälzischen Sparkassen lagen im ersten Halbjahr 2026 bei 6,0 Milliarden Euro und damit leicht unter dem Vorjahreszeitraum (‑88 Millionen Euro). Besonders positiv entwickelte sich der Bereich Investmentfonds mit einem Nettoabsatz von 273 Millionen Euro.
Gleichzeitig gingen Anlagen in Einzelaktien und Optionsscheine (-45 Millionen Euro) sowie Anleihen und Schuldverschreibungen (-141 Millionen Euro) zurück – ein Hinweis auf eine stärkere Nachfrage nach breit gestreuten und langfristig orientierten Anlageformen.
Mit S-Neo entwickelt die Sparkassen-Finanzgruppe ihr Wertpapierangebot weiter und integriert niedrigschwellige digitale Anlageprozesse direkt in die S-App. Alle Sparkassen in Rheinland‑Pfalz sind mit dabei und erleichtern damit Selbstentscheiderinnen und Selbstentscheidern den Zugang zu Fonds, ETFs und weiteren Anlageklassen.
SVRP-Präsident Hirsch betont die strategische Dimension: „S-Neo verbindet zwei Stärken der Sparkassen: digitale Einfachheit und persönliche Nähe. Gerade in unsicheren Zeiten bleibt Vertrauen ein entscheidender Faktor. Unsere Kundinnen und Kunden erwarten heute beides – moderne, digitale Angebote und Verlässlichkeit."
Ausblick: Stabilisierung erwartet – Reformimpulse gefragt
Für das zweite Halbjahr 2026 erwartet der SVRP eine schrittweise Stabilisierung. Maßnahmen der Bundesregierung, darunter geplante steuerliche Entlastungen ab 2027 und der Abbau zusätzlicher Kapitalanforderungen für Immobilienkredite, können Impulse für Kaufkraft und Wohnungsbau setzen. Entscheidend bleibt jedoch, strukturelle Hemmnisse bei Baukosten, Genehmigungsverfahren und regulatorischen Anforderungen weiter abzubauen.
Reform der privaten Altersvorsorge: Sparkassen gut aufgestellt
Ein Reformimpuls, für den sich die Sparkassen-Finanzgruppe lange eingesetzt hat und der nun umgesetzt wird, ist die Reform der geförderten privaten Altersvorsorge – also der dritten Säule der Altersvorsorge. Das sogenannte Altersvorsorgestärkungsgesetz tritt zum 1. Januar 2027 in Kraft und wird die staatlich geförderte private Altersvorsorge grundlegend neu ausgerichtet: Die bisherige Riester-Förderung wird durch flexible Vorsorgeprodukte mit wählbaren Garantieniveaus, einem Altersvorsorgedepot und einer Frühstart-Rente für Kinder und Jugendliche ersetzt – das sind große Schritte in Richtung Kapitalmarkt.
Auch in Rheinland-Pfalz bereitet die Sparkassen-Finanzgruppe Angebote für die unterschiedlichen Bedarfe und Lebenssituationen vor: Von Versicherungspaketen über Wertpapierprodukte und Altersvorsorgedepots bis zum Bausparen.
„Unsere Sparkassen stehen als vertrauter Partner vor Ort bereit. Auch bei komplexen Themen beraten und begleiten wir unsere Kundinnen und Kunden in Rheinland-Pfalz kompetent. Damit Wirtschaft und Gesellschaft wieder mehr Zukunftsmut fassen, braucht es von der Politik jetzt verlässliche Rahmenbedingungen und Reformen, die ihren Namen verdienen – die ersten Ansätze gehen in die richtige Richtung“, sagt Hirsch abschließend.
Kontakt
Thobias Quaß
Sparkassenverband Rheinland-Pfalz
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